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MIA SCHLÄFT WOANDERS

Badische Neueste Nachrichten, Markus Mertens, 17.02.2014

Großes Spiel für die kleinen Zuschauer

(...) Wie klug und überlegt die Inszenierung von Annette Büschelberger ... zu Werke geht, muss zweifelsohne beeindrucken. Denn mit Pija Lindenbaums gleichnamigem Bilderbuch hat sich Büschelberger nicht nur einen Abenteuer- Stoff ausgewählt, der geradezu danach schrie, für die Bühne adaptiert zu werden – auch die Philosophie der rund 70-minütigen Aufführung trifft ins Schwarze. Statt plakativen Plattitüden und bunten Glitzerbildern liefert Büschelberger eine feinsinnige Kombination aus zielsicherer Klarheit und geheimnisvollem Nebel für Augen und Ohren.

(...) Das Figurenpersonal schließt sich da ... konsequent an. Da hätten wir zunächst einmal die schüchterne Mia, die zwar alle möglichen Kindergeschichten kennt – natürlich auch gruselige – selbst aber eher ein zartes Gewächs ist. Dann wäre da Cerisia, die zweifellos auf Mode steht und für Girly- Chic zu haben ist, von echtem Abenteuer aber noch nicht wirklich viel weiß. Und zu guter Letzt natürlich die Eltern. Ein eigentlich wunder Punkt, denn ob Mias Mutter nur der Scheidung wegen fehlen muss, oder vielleicht sogar verstorben ist, lässt uns ein abgeliebtes Foto nicht erahnen. Nur die etwas zudringliche Mutter von Cerisia (die Ute Baggeröhr ganz wunderbar gibt) und die beiden Väter (die Sebastian Reich kongenial und in rasender Geschwindigkeit schultert) bleiben übrig und stehen doch im Hintergrund. Und genau das ist das Spannende. Dass der Fokus nicht auf elterlicher Autorität verharrt, sondern kindliche Fantasie spielen lässt und dadurch Raum für Großes eröffnet.

(...) Und das nicht nur, weil in dieser guten Stunde inhaltlich jedes Wort passt, sondern weil das Ensemble zwischen humorvoller Naivität und genau getimter Seriosität zu einer Spielweise findet, die für jedes Kind verständlich bleibt, ohne je ins Lächerliche zu kippen. Selbst für die Poesie des Wortes bleibt Zeit.

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