Navigation einblenden

DIE FLEDERMAUS

Badisches Tagblatt, Irene Schröder, 16.12.2013

"... im Badischen Staatstheater Karlsruhe waren Operettenspezialisten mit viel Liebe zur gekonnten Komik am Werk. (...) Der Prinz - wunderbar Christina Bock als blasierter Untoter, dem nur Amüsement zum Scheinleben dank vieler Geldscheine verhilft - hat seine Freude an dem aus allen Fugen geratenen Fest, das auf einer bösen Revanche basiert (...) Dass in die dankbare Rolle des Froschs der ehemalige Karlsruher Intendant Pavel Fieber geschlüpft ist, erhöht die Freude des Publikums noch: In der "Residenz der Ruhe" nimmt der "Mentaldiabetiker" natürlich die Karlsruher und ihre untertunnelten Verhinderungen kräftig auf die Schippe. (...) Generalmusikdirektor Justin Brown dirigiert die Badische Staatskapelle mit deutlicher Lust am überschäumenden Melodienreichtum, und der Staatsopernchor stimmt begeistert ein. Heidi Melton verleiht der Rosalinde voluminöse Strahlkraft, Ina Schlingensiepen glänzt als Adele nicht nur mit Koloraturen, sondern ist auch optisch eine Augenweide, was auch auf Larissa Wäspy als ihre freche Schwester Ida zutrifft. Matthias Wohlbrecht füllt die Rolle des düpierten Gabriel von Eisensteins mit unangestrengtem tenoralen Wohlklang aus, während Alfred (Eleazar Rodriguez), der schlitzohrige Liebhaber der Eisenstein-Gattin, alle Belcanto-Register ziehen darf. Mit bösartiger Eleganz meistert Gabriel Urrutia Benet den Dr. Falke, Hans-Jörg Weinschenk stottert sich souverän durch seinen Anwaltspart. Mit seiner schaurigen Totenkopfmaske könnte Edward Gauntt die Zuschauer zwar ebenso das Fürchten lehren wie die Festgesellschaft - 'Jedermann' lässt grüßen -, aber sein Gefängnischef Dr. Frank ist stimmlich ebenso sympatisch wie in seiner Ausstrahlung."

Pforzheimer Zeitung, Nike Luber, 16.12.2013

"Die Fledermaus ist eigentlich ein boshaftes Stück, was man über all der spritzigen Musik gern vergisst. Dank des spielfreudigen Ensembles kommt zum Vorschein, was die unterschiedlichen Charaktere eint: Jeder will etwas anderes sein oder haben als das, was er ist oder hat. (...) Ina Schlingensiepen bringt den Trotz eines Mädchens zum Ausdruck, das vom Leben mehr will als putzen und servieren. ... Matthias Wohlbrecht zeichnet ihn als egoistischen Choleriker. ... Herrlich komödiantisch unterstreichen Heidi Melton die Verlogenheit des Abschieds. (...) Zum Amüsement des Publikums trägt Karlsruhes ehemaliger Intendant Pavel Fieber bei, der den angeheiterten Gefängniswärter Frosch mit galligem Humor ausstattet. Musikalisch ist diese „Fledermaus“ ein Vergnügen ..., denn das temperamentvoll agierende Ensemble singt hervorragend. Die Badische Staatskapelle unter der Leitung von Generalmusikdirektor Justin Brown illustriert gekonnt jaulend den gewaltigen Kater des Gefängnisdirektors. Und der Badische Staatsopernchor verwandelt sich in eine lebhaft-wuselige Partygemeinde."

Badische Neueste Nachrichten, Isabel Steppeler, 16.12.2013

"Pavel Fiebers ... Auftritt als besoffener Gefängniswärter ist köstlich. Er verankert das Geschehen mit netten Seitenhieben im Karlsruher Haus ... . Der von Stefan Neubert auf seine Partie eingeschworene Opernchor macht seine Sache gewohnt famos. Justin Brown zeigt sich in seinem ersten Operetten-Dirigat von seiner beschwingten Seite, ohne dabei die vielschichtigen Zwischentöne der Partitur zu vernachlässigen."

nmz online, Joachim Lange , 22.12.2013

Lorenzo Fioroni und Thilo Reinhardt haben diese Gemengelage von bürgerlichem (Ehe-)Schein und erotischen Ausbruchswünschen aus der Beziehung in ein atmosphärisch dichtes, melancholisches Endspiel projiziert. Die bürgerliche Doppel-Moral und die subversiven Kräfte, die damit gebändigt werden sollen, werden als pures Theater zelebriert. (...) Dass eine in die Tiefe lotende Idee, verbunden mit handwerklicher Könnerschaft, die keinerlei Hänger zulässt, einhergeht, dafür stehen beide Regisseure. (...) Hinreißend auch das ehrgeizige Stubenmädchen Adele. Die in der letzten Zeit immer wieder vor allem in Heidelberg Aufsehen erregende Sharleen Joynt hatte die Sympathien schon nach ihrem betont rotzigen Tischeindecken zur Ouvertüre auf ihrer Seite und ließ dann natürlich bei jeder Gelegenheit ihre bestechenden Koloraturfähigkeiten aufzwitschern. Mit dramatischer Verve und Eloquenz machte Katherine Tier aus dem Prinzen Orlofsky überzeugend einen eigensinnigen Künstlerguru. Auch die Herren hielten mit. Mit verwittertem Charme und geschmeidigem Konversationston absolvierten Klaus Schneider und Tero Hannula ihre Partien als Eisenstein und Gefängnisdirektor Frank, aber auch ihren Dialog im besten Küchenfranzösisch. Andrew Finden bietet für seinen Dr. Falke neben der darstellerischen Würde seiner Freud-Maske die Eloquenz des rachsüchtigen „Freundes“ und Lydia Leitner rettet stimmlich ihre Ida vor der etwas allzu ordinären abgetakelten Tänzerin.
Auch im Graben ist das ganze Chefsache und für Justin Brown am Pult der Badischen Staatskapelle offensichtlich ein großes Vergnügen. Er genießt den Wechsel zwischen einem walzerseeligen Wiener Schmäh, den gesprochenen Passagen und dem Orchesterfeuerwerk, ... . Das wirkt alles wie aus einem Guss und macht diese Fledermaus nicht nur zu einem Schau- und Denk-, sondern auch zu einem musikalischen Vergnügen.

Lesen Sie die vollständige Kritik hier.

deropernfreund.de, Ludwig Steinbach, 30.12.2013

Vielmehr handelt es sich hier um ein hervorragend durchdachtes und einen immensen psychologischen Einschlag aufweisendes Musiktheater ersten Ranges. Der Ansatzpunkt der Regie war schon recht ungewöhnlich, aber frisch und neu und durchaus auch gefällig. (...) Es ist schon ein psychologisch sehr tiefschürfender Blick, den das Regieteam hier in sehr einfühlsamer Manier auf das Innenleben der Beteiligten wirft. Ein Gefängnis als realer Ort existiert in dieser Inszenierung nicht. Von innen heraus gedeutet steht es für alle Umstände und Gegebenheiten, die den Menschen einengen und ihn seelisch nicht frei sein lassen. Da kann nur Dr. Falke helfen, der in der Maske von Sigmund Freud seinen Rachefeldzug gekonnt auf einer psychoanalytischen Ebene ansetzt und als spiritus rector geschickt das Unterbewusste nicht nur bei Eisenstein, der im ersten Akt bei ihm auf der Couch landet, geschickt zu manipulieren weiß. (...) Insgesamt handelt es sich hier um eine der besten, eindrucksvollsten Interpretationen des Werkes, die aller ausgelassenen und oberflächlichen Champagnerlaune eine Absage erteilt und den neugierigen Intellekt auf eine hochkarätige, geistig-innovative Ebene entführt, wo dieser sich sehr wohl fühlt. Diese Produktion stellt einen echten Meilenstein in der Rezeptionsgeschichte dar, zu der man dem Badischen Staatstheater Karlsruhe nur gratulieren kann. Auch die gesanglichen Leistungen bewegten sich auf hohem Niveau. Ks Klaus Schneider war ein in jeder Hinsicht überzeugender Eisenstein. Schon darstellerisch wurde er dem alternden Rentier durch sein intensives Spiel voll gerecht. Auch stimmlich vermochte er mit seinem klaren, frischen und gut focussierten Tenor gut zu gefallen. Ebenfalls über einen trefflichen Stimmsitz verfügte Christina Niessen, die die Rosalinde recht robust anlegte. (...) Übertroffen wurde sie von Ks Inga Schlingensiepen, die einen wunderbar geschmeidigen und sauber geführten Sopran italienischer Schulung für die Adele mitbrachte, die sie auch ansprechend spielte. Eine hervorragende italienische Technik wies auch der farbige, glutvolle Tenor von Andrea Shin in der Rolle des Alfred auf. Einen vollen, runden Bariton und immense Spiellust brachte Ks Edward Gauntt in die Partie des Frank ein. Einfach köstlich war auch Stefanie Schaefer als Prinz Orlowsky. Schon schauspielerisch zog sie alle Facetten des alten Tattergreises. Wenn dann noch ein bestens focussierter, emotional eingefärbter und tiefsinnig klingender Mezzosopran dazukommt, ist das Glück vollkommen. (...) Ein wahres Kabinettstückchen erbrachte Pavel Fieber, der für die Sprechrolle des Frosch an den Ort seiner alten Intendanz zurückkehrte und herrlich über die in unmittelbarer Nähe des Badischen Staatstheater gerade praktizierte Untertunnelung herzog. Der von Stefan Neubert einstudierte Badische Staatsopernchor hatte an seiner Aufgabe hörbar großes Vergnügen.
Eine gute Leistung erbrachte Steven Moore am Pult. Spritzig und ausgelassen tönte es aus dem Orchestergraben. Die hervorragend disponierte und klangschön aufspielende Badische Staatskapelle verströmte reichlich gute Laune und setzte damit ein treffliches Pendant zu dem eher ernsten Geschehen auf der Bühne.
Fazit: Eine in jeder Hinsicht gelungene Aufführung, deren Besuch sehr lohnt!

Navigation einblenden