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Das Unfassbare fassen, das Schweigen brechen - Ein NSU-Projekt

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Betroffenheit nach der Premiere von Rechtsmaterial. Ein Publikumsgespräch mit den Schauspielern Sophia Löffler, Simon Bauer, Daniel Friedl, Ronald Funke, Thomas Halle, Matthias Lamp, Thiemo Schwarz und dem Inszenierungsteam rundete die Uraufführung von Jan-Christoph Gockel und Konstantin Küspert im STUDIO ab.
Hüseyin Avni Karslıoğlu, Botschafter der Republik Türkei in Berlin, berichtete einfühlsam von seinen Treffen mit den Opferfamilien, erinnerte an den Schmerz, der an Angehörigen der Opfer auch durch die Ermittlungen zugefügt wurde, und lobte die Darsteller für den intensiven Theaterabend. Der Karlsruher Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup dankte für die Sicherung und Präsentation des Materials, das damit nicht in Vergessenheit gerate. Er wies darauf hin, dass es u. a. durch das Schweigen Beate Zschäpes nicht gelänge, die Täter als Monster zu entlarven. Gerade die Banalität des Bösen und die Tatsache, dass auf der Bühne keine Lösung aufgezeigt werde, zwinge zur Wachsamkeit für die Phänomene.

Das Projekt spiegelt die Geschichte um den Nationalsozialistischen Untergrund mit recherchiertem Material aus der Gegenwart, der jüngeren und mittleren Vergangenheit und den 20er Jahren – und zeigt so die Kontinuität organisierten rechtsextremen Terrors in Deutschland, eines Phänomens, welches eben nicht so neu ist, wie es sich zunächst anfühlen mag.
In dieser Überlegung ist die Parallelsetzung des NSU mit der von der NS-Propaganda ausgeschmückten Geschichte um den Weltkriegssoldaten Albert Leo Schlageter, der die französische Ruhrbesetzung 1923 mit Gewalt bekämpft, folgerichtig – insbesondere, da es erstaunliche Ähnlichkeiten in den Figurenkonstellation gibt.
Ausschnitte aus dem nationalsozialistischen Propagandastück Schlageter von Hanns Johst als dramatische Vorlage kombinierten der Regisseur Jan-Christoph Gockel und Dramaturg und Autor Konstantin Küspert mit verschiedenen Audio- Video- und Textelementen, die durch umfassende Recherche – etwa beim NSU-Prozess in München oder im Winzerclub in Jena – zusammengetragen werden konnten.

Rechtsmaterial ist Teil der Auseinandersetzung des STAATSTHEATERS mit dem Themenkomplex Rechtsextremismus; die Produktionen Maienschlager und Die Passagierin greifen das Motiv Nationalsozialismus auf, Hohe Auflösung die Thematik des Aufstandes und der Revolution, für das Stadtjubiläum bereitet das Schauspiel ein Recherchestück zur Gleichschaltung des Theaters und zu den Restriktionen, denen Künstler ab 1933 ausgesetzt waren, vor.

Als Prolog und rahmendes Element der Inszenierung wird die Ausstellung Opfer rechter Gewalt bis zum Ende der Spielzeit im FOYER des STAATSTHEATERS gezeigt.

 

 

 

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