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Theaterkünstler als Nazi-Opfer – Stolpersteinverlegung vor dem STAATSTHEATER

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Erstmals wurden heute auf Initiative von Generalintendant Peter Spuhler und Schauspieldirektor Jan Linders zwei Stolpersteine zum Gedenken zweier entrechteter Künstler des STAATSTHEATERS direkt vor dem Haupteingang platziert: für die Sängerin Lilly Jankelowitz, die unter dem Künstlernamen Lilly Jank beim Publikum bekannt und beliebt war, ermordet 1944, und für den Schauspieler Paul Gemmeke, gestorben 1937.
Die Verlegung der Stolpersteine erfolgte durch den Kölner Künstler Gunter Demnig. Der Sprecher der Koordinationsgruppe Stolpersteine Karlsruhe, Altstadtrat Dr. Hans-Jürgen Vogt, informierte kurz über die Arbeit der Gruppe und betonte, dass Gunter Demnig durch die Stolpersteine NS-Opfer über ein bloßes Erinnern hinaus zurück in das heutige Leben hole. Stolpersteine erinnern mittlerweile an vielen Orten Deutschlands an Opfer der NS-Zeit, an verfolgte und ermordete Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, Kommunisten, Zeugen Jehova und Euthanasieopfer. http://www.stolpersteine-karlsruhe.de/ und http://www.stolpersteine.eu/

„Die Vergangenheit des STAATSTHEATERS gehört aufgearbeitet, und vielleicht ist das heute der Anstoß, damit zu beginnen“, so Generalintendant Peter Spuhler in seiner Gedenkansprache auf die beiden Künstler. Die Stolpersteine reihten sich direkt in das Gesamtkonzept des STAATSTHEATERS ein, und mit Produktionen wie „Wallenberg“ und „Die Passagierin“, die in der Reihe „Politische Oper“ auf dem Opernspielplan stehen, sei der Holocaust Thema der künstlerischen Rezeption. Dass nun der ehemaligen Ensemblemitglieder, die Opfer des NS-Regimes wurden, gedacht wird, ist für Peter Spuhler und seinen Schauspieldirektor Jan Linders ein längst überfälliges Zeichen. „Die Menschen sollten wissen, wie wichtig Gedenken ist, deshalb ist der Ort direkt vor dem Haupteingang sehr gut gewählt“, bekräftigte Linders, der Leben und Sterben des Staatsschauspielers und Charakterdarstellers Paul Gemmeke in seiner Ansprache vergegenwärtigte. Neben den beiden am 10.11. verlegten Steine für Lilly Jank und Paul Gemmeke, warten noch mindestens drei weitere Steine für Künstler des STAATSTHEATERS, die Opfer der Nazis wurden, auf ihren Platz vor dem Haus.
Um dem Gedenken an von den Nazis verfolgten und verfemten Künstlern Rechnung zu tragen, unterstützt Peter Spuhler den Herzenswunsch des ehemaligen Verwaltungsdirektors und Ehrenmitglieds des STAATSTHEATERS, Wolfgang Sieber, den Platz vor dem STAATSTHEATER als Herman-Levi-Platz zu benennen. Der aus einer bedeutenden jüdischen Familie stammende Levi war von 1864 bis 1872 Chefdirigent des Großherzoglichen Hoftheaters Karlsruhe.

Stolpersteine für Lilly Jank und Paul Gemmeke

Lilly Jank begann ihr Engagement 1928 und avancierte sehr schnell zu einer wichtigen Stütze des Ensembles. Sie begeisterte in Operetten wie Das weiße Rössl, das Dreimäderlhaus oder Der Vetter aus Dingsda ebenso wie in der Dreigroschenoper oder in kleineren Partien in Lohengrin und Der Freischütz. Im März 1933 endeten ihre Hoffnungen auf eine Gesangskarriere jäh mit ihrer Entlassung durch die Nazis. Während des Krieges lebte Lilly Jank mit ihrem Mann, dem Arzt Viktor Wahl, in Südfrankreich. Zwei Wochen nach Landung der Alliierten wurde die Familie inhaftiert und nach Deutschland deportiert. Lilly Jank starb im Oktober 1944 im Lager Ravensbrück. Sie wurde 37 Jahre alt.

Paul Gemmeke war der "dienstälteste" Schauspieler in Karlsruhe, schon im Jahr 1908 war er an das damalige Großherzogliche Hoftheater am Schlossplatz gekommen. Er galt bald als herausragender Charakterdarsteller und wurde im Jahr 1924 zum Staatsschauspieler ernannt. Seiner Ehe mit einer jüdischen Frau wegen legte das Kultusministerium den "Fall Gemmeke" Minister Goebbels als dem Präsidenten der Reichskulturkammer vor. Das Ergebnis: Im Februar 1936 wurde Gemmeke aus der Kammer ausgeschlossen, was automatisch die Lösung seines Vertrags zur Folge hatte. Im Wissen, nie wieder auf der Bühne stehen zu dürfen, nahm sich Paul Gemmeke am 25. Mai 1937 das Leben. Seine Frau Martha, jetzt ohne den (wenn auch unsicheren) Schutz einer sogenannten "privilegierten Ehe", wurde im Jahr 1942 zusammen mit ihrer Mutter in das Lager Theresienstadt in der Tschechoslowakei und von dort in das Todeslager Auschwitz deportiert.
Das STAATSTHEATERS KARLSRUHE hält es für wichtig, dass dieser Hausmitglieder und ihres Schicksals dauerhaft gedacht wird.

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